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Palliativmedizinische Initiative Nordbaden
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WHO Definition Palliativmedizin

"Palliativmedizin ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit den Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen, und zwar durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, untadelige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art."

WHO 2002

Palliativmedizinische Initiative Nordbaden

DAS PAMINO – Projekt

Sterbehilfe und Palliativmedizin sind seit Monaten wichtige Themen in der deutschen Gesellschaft. Diese Begriffe sind aus den Schlagzeilen der Zeitungen nicht mehr wegzudenken. Verunsichert durch die Entwicklung in anderen europäischen Ländern wie Belgien und den Niederlanden und durch die Berichterstattung über das menschenunwürdige Verfahren im Sterbeprozess der Terry Schiavo in Florida, fordern viele Menschen eine klare gesetzliche Regelung in Deutschland.

Viele Menschen beklagen darüber hinaus die häufig stattfindende Übertherapie im Sterbeprozess bei mangelnder psychosozialer und spiritueller Betreuung der Patienten. Unter dem Druck der Ökonomisierung des Gesundheitswesens hat die Gesellschaft für Sterbende häufig einfach keine Zeit. Einerseits wird vehement eine verbesserte palliativmedizinische Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden und eine verbindliche Regelung für den Gebrauch von Patientenverfügungen und Betreuungsvollmachten gefordert, andererseits wird aber auch hierzulande von gewichtigen Fürsprechern einer liberalisierten Sterbehilferegelung gefordert, aktive Sterbehilfe zuzulassen und unter Straffreiheit zu stellen.

Wir alle sind stolz auf die Erfolge der modernen Medizin. Viel Positives kann durch eine gute Behandlung zum Wohle der Kranken erreicht und verbessert werden. Bei vielen chronischen, unheilbaren, teilweise auch lebensbedrohlichen Erkrankungen müssen wir aber auch erkennen, dass eine gute Medizin vor allem bedeutet, auftretende Schmerzen und Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Obstipation und Atemnot zu kontrollieren. Eine Heilung ist oft nicht mehr möglich, und dennoch wollen diese Patienten möglichst symptomarm weiterleben. Bei guter Symptomkontrolle ist dann auch ihre Lebensqualität nicht oder nur wenig eingeschränkt. Um dieses Ziel zu erreichen hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Hospizbewegung weltweit etabliert. Gleichzeitig entwickelte sich im Bereich der Medizin eine neue Subspezialisierung, die Palliativmedizin. Das Wort Palliativ leitet sich von dem lateinischen Wort pallium, der Mantel, ab. Dieser Mantel soll den Kranken wie der Mantel des armen biblischen Samariters beschützen; beschützen vor unnötigem Leiden bei schwerer Krankheit und Einsamkeit beim Tod.

Die Ursprünge der Hospizbewegung gehen schon auf die christlichen Hospize entlang des Jakobweges nach Santiago de Compostella in Spanien im Mittelalter zurück. Die moderne Palliativbetreuung, die sogenannte „palliative care“, wurde in England, speziell in St. Christopher`s Hospiz, der ersten modernen Hospizeinrichtung im Süden von London, begründet. Diese Einrichtung wurde im Jahre 1967 von Dame Cicely Saunders, einer Krankenschwester und Ärztin, die im Jahre 2005 an den Folgen eines Krebsleidens verstarb, eröffnet.

Die palliativmedizinische Versorgung in Deutschland ist im Gegensatz zu England leider immer noch unterentwickelt. Nach den Berechnungen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin sollten
35 Palliativbetten pro einer Million Einwohner zur Verfügung gestellt werden. Zur Zeit sind allerdings nur 9 Betten/ Million Einwohner vorhanden, in England zum Vergleich aber mehr als
50 Palliativbetten/Million Einwohner. In Großbritannien ist „palliative care“ ein integraler Bestandteil der medizinischen Ausbildung und Versorgung. Von den ungefähr 160 000 Menschen, die dort an Krebserkrankungen versterben, wird fast jeder fünfte auf einer Palliativstation betreut, jeder zweite
wird von ambulanten Palliativteams zu Hause versorgt.


Ferdinand Hodler Die sterbende Valentine Godé-Darel, 1915

Hausärzte betreiben Palliativmedizin seit Jahrtausenden, da schon früher sehr viele Krankheiten nur symptomatisch und nicht kausal behandelt werden konnten. Sie sind besonders dann in der Lage,
die ambulante Versorgung der Palliativpatienten zu gewährleisten wenn folgende Bedingungen geschafften werden:

• Adäquate Fortbildung für Hausärzte auf dem Gebiet der Palliativmedizin

• Überlassung ausreichender Ressourcen

• Enger Kontakt zum spezialisierten Palliativmediziner im Hintergrund

• Enge Verbindung von Primärversorger und akademischer Basis

Ein großer Vorteil der hausärztlichen Behandlung ist hierbei die Verbindung von palliativmedizinischen Werten mit der ganzheitlichen Sicht der Primärversorger. Die gemeindenahe, ganzheitliche Versorgung dieser schwerstkranken Patienten kann überflüssige und teure Krankenhauseinweisungen sowie unnötige Behandlungen in der Sterbephase vermeiden. Aus vielen Umfragen ist bekannt, dass die Mehrzahl der Menschen bei schweren Erkrankungen so lange wie möglich im häuslichen Umfeld verbleiben wollen. Dieses ist allerdings nur möglich, wenn gute ambulante Versorgungsstrukturen geschaffen werden. Trotz der Etablierung einiger Palliativstationen an wenigen Krankenhäusern im Bereich Nordbaden ist die Versorgung der Patienten in der Region flächendeckend noch nicht gewährleistet.

Auf Initiative der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung der Universität Heidelberg (Leiter: Prof. Dr. J. Szecsenyi) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin, Sektion Versorgungsaufgaben (Sprecher: Dr. P. Engeser), ist im Bereich der schmerz- und palliativmedizinischen Versorgung schwerstkranker Patienten im Verlauf der vergangenen drei Jahre eine Kooperation mit dem Schmerzzentrum der Universität Heidelberg unter dem Namen PAMINO entstanden.

Vorrangiges Ziel dieser Kooperation ist eine Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung flächenweit im Versorgungsbereich der KV Nordbaden. Grundlage dieser Kooperation ist ein qualifizierender Fortbildungskurs für Hausärzte nach dem Curriculum des Basiskurses der Bundesärztekammer und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Ziel dieser Kooperation ist die Verbesserung der Schmerztherapie nach dem WHO-Schema sowie die bessere Symptomkontrolle im gesamten Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Baden - Württemberg. Darüber hinaus kann durch die Verbesserung der kommunikativen Fertigkeiten sowie der veränderten Haltung und der deutlich verbesserten persönlichen Sicherheit im Bereich Palliativmedizin der teilnehmenden Hausärzte eine wirksame Verbesserung der Versorgung der Betroffenen gewährleistet werden. Hierdurch werden die notwendigen Therapieschritte kompetent durchgeführt und überflüssige Behandlungen vermieden. Die häufig durchgeführte Noteinweisung in der finalen Patientenbetreuung kann durch das verbesserte Wissen und die veränderte Haltung der Hausärzte vermieden werden.

Für Pflegende und Hausärzte bedeuten Patienten in der Palliativsituation immer eine gravierende persönliche und emotionale Belastung. Daher sollte eine gemeinsame Versorgung durch örtliche Palliativteams (Hausärzte, Pflegende, ambulante Hospizdienste, kompetentes Beratungsnetzwerke) erfolgen. So können selbst in Krisensituationen schwerstkranke Patienten zu Hause betreut werden. Für alle Patienten müssen darüber hinaus genügend Plätze wohnortnah in Palliativstationen und stationären Hospizen vorhanden sein, um besonders schwierige Verläufe menschenwürdig begleiten zu können. Mit der Bildung gut ausgebildeter lokaler und regionaler Palliativteams, die aus den palliativ orientierten Praxen entstehen müssen, und der Schaffung ausreichender wohnortnaher stationärer Strukturen wird die Versorgung zum Wohle der uns anvertrauten Patienten deutlich verbessert.

Das palliativmedizinisch Netzwerk Nordbaden mit bisher mehr als 60 teilnehmenden Kollegen an
45 verschiedenen Standorten in Nordbaden erstreckt sich vom Odenwald bis zum Schwarzwald, von Buchen über die Ballungszentren Heidelberg – Mannheim und Karlsruhe bis Nagold und Altensteig. Häufige Treffen der Teilnehmer, organisiert von der Universität Heidelberg, gewähren eine stetige Weiterentwicklung aller Beteiligten. Hierdurch wird die Versorgung der Bevölkerung in dieser Region basisnah nachhaltig verbessert.


Dr. Peter Engeser



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